Ξ April 6th, 2010 | → | ∇ Permalink|
Remy-Demy vom Mattsch inne Birne: Brief an die Mutter Liebe Mutter, Aber nun zunächst mal zu mir und meiner Verschwurbeligung: Es ist doch wohl klar, dass es ein Grundrecht auf freie Scheißabsonderung gibt, welches ich selbstverständlich für mich in Anspruch nehmen muss, als auch, wie wichtig mir dieses Recht nur sein kann. Es ist mir insbesondere wichtig das zu sagen, weil viele Weblogs für die Verwirklichung dieses Rechts eintreten - vor allem in Ländern, wo Meinungsfreiheit selbstverständlich auch dazugehört sagen zu können was man will. Insofern könnte es mir leid tun, dass ich mit Recht aber unabsichtlich die Frage nach meiner Zurechnungsfähigkeit in den Raum gestellt habe. Ich fühlte mich halt sehr aufgeregt, und dann muß ich immer Puupuu matt! Und deswegen habe ich eine Mail an die Mutter geschrieben, die durch die berechtigte oder unberechtigte Kritik an ihrer Reinlichkeitserziehung, an der sie monate- und jahrelang hart gearbeitet hatte, verunsichert war und Zuspruch verdient hatte. Vielleicht klang auch etwas Neid auf Euch durch, da die Form von Scheißabsonderung, die ich als Werbetexter seit über 30 Jahren betreibe, alles andere als frei ist: Jedes Wort muss vor der Veröffentlichung sorgsam abgewischt werden, der Kopf muss vorsichtig aus dem Allerwertesten der Auftraggeber herausgezogen und vorher auch noch repräsentativ auf seine Wirkung getestet werden. Aber! Auch wenn mein Haupt meist kotverschmiert und lachhaft war, empfand ich es doch ernsthaft als kommunikative Notwendigkeit, die Mutter wie eine konstruktive Sau durchs Dorf „Kleinbloggersheim“ zu treiben. Sollte es neben der Freiheit, seinen Schleim zu verbreiten, nicht auch die Freiheit geben, ihn auch wieder aufgewischt zu wissen? Kennt die Blogosphäre etwa keine Poposphäre? Viele von Euch schreiben, ich hätte ihn bei Mutter ins Eigentor geschoben. Okay, einmal vielleicht. Aber in wie viele Eigentore schiebt ihrs gerade, indem Ihr euch an meiner Antwort auf „Klowänden des Internets“ teils inzestuös, teils genüsslich aufgeilt und Suchtbegriffe zeitweise im Sinne eines Face-Sitting verbreitet? Ich konnte ja schon beinahe nicht mehr atmen bei Technorati.com! Das Klowand-Debakel erinnert mich übrigens an Mutters Hausschnecken-Debatte: In beiden Fällen gab es Kritik, dass ein Sachverhalt mit einem plakativen Bild unzulässig verallgemeinert wurde. Die Hausschnecken waren ein Symbol für das Anblasen und Schleimziehen. Die Klowände sind ein Symbol für das Pinkeln und Pissen – und Schleimablaberung bei vollständiger Anspruchslosigkeit. Natürlich haben viele Investoren auch hygenisch einwandfreie Zonen, da kann ich völlig unbedenklich. Aber wie sagte noch mal meine Mutter: Wer sich anschleimt, muss auch lecken können. Euer Remy-Demy vom Mattsch inne Birne (soweit das Original, jetzt kommt die Fälschung)
Liebe Blogger, meine Mutter hat mir noch mehr beigebracht. Zum Beispiel: Wer einen Fehler macht, sollte sich entschuldigen. Oder auch: Wer austeilt muss auch einstecken können. Aber zunächst zu mir und meiner Entschuldigung: Es ist mir sowohl klar, dass es das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung gibt, als auch, wie wichtig dieses Recht ist. Es ist mir insbesondere klar, wie viel die Weblogs für die Verwirklichung dieses Rechts tun - vor allem in Ländern, wo Meinungsfreiheit nicht selbstverständlich ist. Insofern tut es mir leid, dass ich dieses Recht unbedacht in Frage gestellt habe. Ich hatte mich halt aufgeregt! Und eine Mail an meine Mitarbeiter geschrieben, die durch die berechtigte oder unberechtigte Kritik an einer Kampagne, an der sie monatelang hart gearbeitet haben, verunsichert waren und Zuspruch verdient hatten. Vielleicht klang auch etwas Neid auf Euch durch, da die Form von Meinungsäußerung, die ich als Werbetexter seit über 30 Jahren betreibe, alles andere als frei ist: Jedes Wort wird vor der Veröffentlichung lange abgewogen, mit Auftraggebern verhandelt und dann noch repräsentativ auf seine Wirkung getestet. Aber! Auch wenn die meiste Kritik an meinem Text konstruktiv und ernsthaft war, empfinde ich es als kommunikativen Hausfriedensbruch, dass eine interne Mail wie eine Sau durchs Dorf „Kleinbloggersheim“ getrieben wird. Sollte es neben der Freiheit, eine Meinung zu verbreiten, nicht auch die Freiheit geben, eine Meinung nicht verbreitet zu wissen? Gilt beim Artikel fünf des Grundgesetzes nur Absatz eins, der das Recht auf Meinungsfreiheit definiert, und nicht Absatz zwei, der dieses Recht einschränkt, wenn die persönliche Ehre verletzt wird? Kennt die Blogosphäre etwa keine Privatsphäre? Viele von Euch schreiben, ich hätte mit meiner Mail ein Eigentor geschossen. Okay, eins vielleicht. Aber wie viele Eigentore schießt ihr gerade, indem Ihr mein Schlagwort „Klowände des Internets“ teils empört, teils genüsslich aufgreift im Sinne eines Agenda Setting verbreitet? Bei Technorati.com war der Suchbegriff zeitweise auf Platz 3! Die Klowand-Debatte erinnert mich übrigens an Münteferings Heuschrecken-Debatte: In beiden Fällen gab es Kritik, dass ein Sachverhalt mit einem plakativen Bild unzulässig verallgemeinert wurde. Die Heuschrecken waren ein Symbol für das Abgrasen und Weiterziehen. Die Klowände sind ein Symbol für das Anpinkeln und Verpissen – für Meinungsäußerung im Schutz der Anonymität. Natürlich haben viele Investoren ethisch einwandfreie Ziele. Und natürlich haben viele Weblogs einen ernsthaften Ansatz. So haben mich die meisten Eurer Beiträge sehr inspiriert und mir die virale Kraft dieser Medienform bewusst gemacht. Vergesst aber nicht, dass auch die Kommentare den Content eines Weblogs bestimmen. Und vor allem dort habe ich einiges gefunden, was meinem Vorurteil neuen Schub gab: Leute, das war teilweise unterste Klowand! Aber wie sagte noch mal meine Mutter: Wer austeilt, muss auch einstecken können. Euer Jean-Remy von Matt
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There are currently 3 responses to “Jean Remy von Matt: Brief an die Mutter (Remy-Demy vom Mattsch inne Birne)”
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posted on January 24th, 2006 at 1:34 pm
posted on January 25th, 2006 at 8:34 am
posted on January 29th, 2006 at 11:14 am